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Leo Schnellbach

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Der Fotograf bei der Arbeit


Leo Schnellbach – Sonthofer Fotokünstler

Wer die hochwertigen schwarz-weiß Bildbände der EDITION ALLGÄU mit Fotoaufnahmen von Lala Aufsberg kennt und die vielen Einblicke in die Vergangenheit schätzt, der wird auch an den Aufnahmen des Sonthofener Fotografen Leo Schnellbach großen Gefallen finden. Unser Verlag hat die schönsten Eindrücke in einem kulturhistorischen Bildband festgehalten. Weitere Informationen und die Bestellmöglichkeit finden Sie hier

Im Folgenden möchten wir Ihnen das Leben und Wirken Leo Schnellbachs näher bringen:
Leo Schnellbach wurde am 7. Juni 1911 in Fechenbach am Main im Landkreis Miltenberg geboren. Sein Vater starb im 1. Weltkrieg, als Leo gerade acht Jahre alt war. Mit 14 Jahren begann der Mainfranke eine Lehre als Drogist, was mit hohem finanziellen Aufwand für die Familie verbunden war. Seiner Mutter war es aber wichtig, dass ihr Junge eine gute Ausbildung bekommt. Bereits damals entstand sein Interesse für die Fotografie. Daher arbeitete er später nahe Frankfurt in einer Drogerie mit Fotoabteilung. Nach dieser Zeit war Leo lange ohne Beschäftigung, ehe der Reichsarbeitsdienst eingeführt wurde. Von 1934 bis 1935 leistete Leo Schnellbach den „Dienst mit dem Spaten“ in Gunzenhausen. Neben seiner Leidenschaft für die Fotografie wuchs in Leo Schnellbach eine unbändige Sehnsucht nach dem Bergen.

Deshalb bewarb er sich schließlich in Sonthofen bei der Firma Heimhuber und wurde dort als Fotolaborant und Praktikant eingestellt. Bis dahin waren bereits zahlreiche Familien- und Landschaftsbilder unter den Händen des begeisterten Freizeitfotografen entstanden.

Angekommen in Sonthofen fand Leo Schnellbach schnell Kontakt zu jungen Leuten, die ihn mit in die Berge nahmen. Aus dieser Zeit stammen die wunderbaren Bilder eines Bergsommers, der laut Bildunterschriften in einem Album jedes Wochenende schönes Wetter brachte.

Die Menschen auf seinen Bildern arrangierte Leo Schnellbach kunstvoll, oder er nutzte den Selbstauslöser seiner Rolleicord Kamera, um selbst im Bild zu sein. Die Aufnahmen stammen größtenteils aus der Oberallgäuer Bergwelt, denn die Ziele mussten mit dem Fahrrad erreichbar sein. Als passionierter Bergsteiger und Kletterer lichtete er seine Bergkameraden in atemberaubenden Situationen in Fels- und Eis ab.

Einige seiner Bilder reichte er sehr erfolgreich bei Fotowettbewerben ein. So wurde beispielsweise die Bildagentur Schröder in Berlin auf ihn aufmerksam. Leo Schnellbach konnte mit der Qualität seiner Aufnahmen mehrere Titelbilder in großen Illustrierten schmücken. Zusätzlich brachte ihm der Verkauf dieser Fotos einen kleinen Nebenverdienst zu seinem nicht all zu üppigen Gehalt..

1939 heiratete er die Haushälterin Paula Roth, die er in Sonthofen kennen lernte. Aber mit  Beginn des 2. Weltkrieges veränderte sich auch das Leben der Schnellbachs. Leo kam zur 1. Gebirgs-Division und war die gesamte Kriegszeit im Einsatz. In sechs Jahren war er nur zweimal im Heimaturlaub. Der Feldzug führte ihn nach Frankreich, Griechenland, Polen, Russland und Jugoslawien. Erzählt hat er später nie viel davon, aber sein Sohn entdeckte unter all den Hinterlassenschaften eine Kiste mit Original Negativen aus der Zeit des Kriegseinsatzes. Leo Schnellbach hatte als Mann in der Etappe ein gutes Auge für fremde Länder und faszinierende Orte. Gepaart mit seinem Talent, markante Gesichter ins richtige Licht zu stellen, entstand ein fast friedliches Bild eines schrecklichen Krieges.

Nach amerikanischer Gefangenschaft kam er 1945 zurück ins Allgäu und nahm zunächst seine Beschäftigung bei der Firma Heimhuber wieder auf. Die schwierige Gehaltssituation der Familie - Tochter Gerda kam im Jahr 1940 zur Welt, Sohn Rudolf im Jahr 1946 – zwang ihn, jeden Sonntag mit dem Fahrrad ohne Gangschaltung weit durch das Allgäu zu fahren, um dort Familienaufnahmen zu machen und im Tausch die nötigsten Lebensmittel, wie Milch, Butter und Eier zu erhalten.

Im Jahr 1950 schließlich wagte Leo Schnellbach mit seiner fotografischen Werkstatt den Schritt in die Selbstständigkeit. Drei Zimmer dienten gleichzeitig als Atelier, Dunkelkammer und Wohnung. Die ganze Familie musste mit anpacken. Aber mit der guten Qualität seiner Abzüge und Aufnahmen überzeugte er die Kunden. Schnell war er als „Ballfotograf“ auf den unterschiedlichsten Festen beliebt und zog so weitere Aufträge an Land. Die Portraitfotografie wurde zur Schnellbach-Domäne. Aber auch seine Heimatstadt Sonthofen und die Umgebung wurde genau mit der Kamera beobachtet und die landschaftlichen Veränderungen im Bild dokumentiert.

Mit Hilfe eines Kredits konnten die Schnellbachs in den 50er Jahren raus aus den beengten Verhältnissen der 3-Zimmer-Wohnung und kauften ein Fotofachgeschäft mit angeschlossenem Studio. Im Schaufenster konnte man nun Arbeiten von Leo Schnellbach und das aktuelle Kameraangebot zeigen. Sohn Rudolf trat in die Firma ein, machte die Meisterprüfung und erweiterte das Angebot.

1998 starb Leo Schnellbach und hinterlies einen großen Archiv-Schatz historischer Fotografien.


Die Zeit danach

Sein Sohn Rudolf Schnellbach hat diesen mit Hilfe seiner Familie ausgewertet und zusammengetragen. Im Juli 2011 wäre Leo Schnellbach 100 Jahre alt geworden. Dies war Anlass dafür, in drei Ausstellungen in Oberallgäuer Museen den Bilderschatz der Öffentlichkeit zu präsentieren. Die EDITION ALLGÄU griff Anfang 2011 die Themenbereiche und Stationen Leo Schnellbachs auf und formte in Zusammenarbeit mit Rudolf Schnellbach einen weiteren kulturhistorischen Bildband mit dem Titel „Allgäuer Bergsommer und Leben im Tal“, der im Kapitel „Gesichter Europas“ auch Aufnahmen aus dem Zweiten Weltkrieg zeigt und dem Betrachter auf beeindruckende Weise vielfältige Einblicke in das Leben von damals gibt.

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